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Chlorid 
 


Chlorid (Cl-) ist das hauptsächliche extrazelluläre anorganische Anion.Der Chloridhaushalt ist oft gleichsinnig wie der Natriumhaushalt gestört.

Chlorid wird mit der Nahrung zugeführt und im Dünndarm resorbiert. Ausgeschieden wird Chlorid vorwiegend im Urin, wobei es im wesentlichen den Natriumionen folgt. Etwa 2% des Chlorids werden mit dem Schweiss und im Stuhl ausgeschieden.

Da sich Chlorid in der Regel gleichsinnig wie das Natrium (und das Kalium) verhält, bringt die Messung des Chlorids nur in wenigen Situationen eine zusätzliche Information:

  • Bei massivem Erbrechen kann der Chloridverlust höher sein als der Verlust an Natrium, so dass sich eine hypochlorämische Alkalose entwickeln kann.

  • Bei starker Diarrhoe dagegen kann der Natriumverlust denjenigen an Chlorid übersteigen. Die Folge ist eine hyperchlorämische Azidose.

 
Hypochlorämie 

Eine Chloridkonzentration von weniger als 100 mmol/L wird als Hypochlorämie betrachtet. Sie ist in der Regel auf einen Chloridverlust zurückzuführen:

  • Gastrointestinaler Verlust: langanhaltendes Erbrechen.
  • Verbrennungen: Verlust über die Haut.
  • Renale Verluste: bei metabolischer Alkalose, vorallem aber bei Therapie mit Diuretika

 
Pseudohypochlorämie 

Bei Hyperproteinämie und Hyperlipidämie kommt es zu einer Zunahme des elektrolytfreien Raumes, was sich bei allen Messungen mit Ausnahme der direkten Potentiometrie als messtechnisch bedingte falsch tiefe Chloridkonzentration bemerkbar macht.

 
Hyperchlorämie 

Von einer Hyperchlorämie spricht man, wenn die Chloridkonzentration im Serum den Wert von 106 mmol/L übersteigt. In vielen Fällen führt eine Hypernatriämie auch zu einer Hyperchlorämie. Erhöhte Chloridwerte mit normaler Natriumkonzentration werden bei der metabolischen Azidose gesehen: zur Aufrechterhaltung des osmotischen Druckes wird das fehlende Bicarbonat durch Chlorid ersetzt.

 
Probennahme 

Unter aeroben Bedingungen muss das Serum bzw. Plasma rasch von den Erythrozyten getrennt werden, da der Verlust von Kohlendioxid aus dem Blut in die Luft zu einer Verschiebung von Chlorid aus dem Plasma in die Erythrozyten führt.

Abb.1:Chloridmessung nach aerobe Aufbewahrung von Proben
Übertritt von CO2 aus dem Blut in die Umgebungsluft (a) führt zu einer Verschiebung von CO2 aus den Erythrozyten in das Plasma (b) und zu einem dadurch bedingten Einstrom von Chlorid aus dem Plasma in die Erythrozyten (c) und erniedrigter Konzentration im Plasma.

 
Messung der Chloridkonzentration 

Chlorid kann mit folgenden Methoden bestimmt werden

  • Coulometrie
  • Ionenselektive Elektroden: direkte und indirekte Potentiometrie
  • Absorptionsphotometrie
  • Titrimetrie (mercurimetrische Titration)

In Serum/Plasma und Urin kann Chlorid mittels photometrischen Methoden oder ISE bestimmt werden. Für die Messung des Chloridkonzentration im Liquor cerebrospinalis wird häufig die Coulometrie verwendet.

 
Referenzwerte 

Serum 
Der Referenzbereich gesunder Erwachsener beträgt 100 - 106 mmol/l. Im Nabelschnurblut liegen die Konzentrationen zwischen 96-104 mmol/L, bei Neugeborenen zwischen 98-113 mmol/L.

Urin 
Die täglich ausgeschiedene Menge variiert sehr stark entsprechend der Chloridaufnahme mit der Nahrung. Für Erwachsene gelten 110 - 250 mmol/Tag als Richtwert. Bei Kindern können die Werte wesentlich tiefer liegen.

Liquor cerebrospinalis 
Der Referenzbereich liegt bei 115 - 125 mmol/l.

Schweiss 
5 - 35 mmol/L gelten als normal, mit einer Grauzone bis zu 70 mmol/L. Bei der Zystischen Fibrose liegen die Werte zwischen 60 - 200 mmol/L.

 


16.03.2001 / hpk